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...und in dieser Nacht... Die Worte könnten einem Satz entnommen worden sein, vorne fing es irgendwo mal an und geht hinten weiter. Und dennoch ist das nicht beliebig, sondern eine Zeitangabe die auch eine Präsenz ausdrückt. Bewusst ist der Anfang und das Ende offen, denn diese Dualität von Un- und Verbindlichkeit trifft den Kern der Arbeiten von Karin Vidensky. Wir leben in einer zunehmend virtuell erlebten Welt, in der wir nur mit einer präsenten Aufmerksamkeit reagieren können. Und gerade mit dieser Aufmerksamkeit und Präsenz kommt die Installation “...und in dieser Nacht...“ in Bewegung.
Es ist der kurze Einblick in die Nacht, von der wir nicht viel wissen, so wie wenn wir jemandem in den Traum blicken könnten. Und es erinnert auch an jene bekannte Situation, die jeder von schlaflosen Nächten kennt: ein Auto fährt unten durch die Strasse und über die Zimmerdecke streift, wie ein kurzer Gruss, ein Lichtreflex der Scheinwerfer.
Durch Öffnungen schaut man durch die zugeklebte Fensterscheibe ins Innere der Galerie, wo man sowohl tags als auch nachts ein geheimnisvolles Spiel beobachten kann. Die unzähligen und unterschiedlichsten Formen, die auf Plexiglasscheiben geschliffen wurden, hängen im Raum. Die Lichtquellen im Raum lassen ihre Motive wie durch einen Nebel hindurch nur schwach erkennen, doch jedes Mal wenn das Licht auf sie direkt und damit durch sie hindurch fällt, zeigt sich ihr Schatten auf den Wänden, wobei sie dann eine körperhafte Präsenz gewinnen.
Da für die Betrachter unklar bleibt, woher das Licht kommt, ist es ein wenig so, wie damals bei Genesis: Finsternis lag über der Urflut “...und in dieser Nacht...“ sprach Gott: “Es werde Licht“. Auch nach so langer Zeit wohnt diesem Anfang noch immer ein Zauber inne. Wir schauen durch die Löcher, die wie Augen-Blicke in eine fremde Welt sind, so als könnten wir durch die Röhre in den Kaninchenbau und zu Alice ins Wonderland sehen. Und es ist wie damals, als wir in einer warmen Sommernacht die Glühwürmchen auf der Wiese tanzen sahen oder mit der Nase an der Aquariumsscheibe klebten, um den farbig blinkenden Fische nach zu sehen.Â
Und in dieser Nacht und an diesem Tag da sehen wir ganz unterschiedlichste Motive: Häuser, Tiere, Pflanzen, Röcke, Flaschen, Tänzer und Schwimmerinnen und alle sind sie ein Teil der gesamten Geschichte, und alle könnten sie der Anfang einer eigenen Geschichte sein, die sich mit den anderen verbünden und so zusammen eine ganz grosse, unendliche Geschichte erzählen.
Die Installation von Karin Vidensky ist eine leise geworden und eine poetische zugleich. Eine die am Tag, aber auch in dieser und in allen anderen Nächten die Unermüdlichen, Taufrischen und Nachtwandler erfreuen wird. So etwas zu sehen, ist in unseren hektischen Zeiten selten anzutreffen und wir sollten ihr eine besondere Aufmerksamkeit schenken. Â
Text: Simon Baur
Raumspezifische Installation mit bearbeiteten Elementen aus Acrylglas, Spiegel, Motor, Â Lichtquelle, Fensterfolie
Künstlerisches Konzept, Umsetzung
Film: Thomas Isler